In der Schutzgebietsbetreuung wird das Wissen um die hier lebenden Arten durch ein maßnahmenbezogenes Monitoring und die Durchführung von Landschaftspflegemaßnahmen vereint.

Inhaltsübersicht

„Naturschutz­fach­liche Vor-Ort-Betreuung des Natura 2000-Gebietes Lüneburger Heide“

Um die wertvolle Natur der Lüneburger Heide zu bewahren, braucht es Menschen, die die Flächen vor Ort betreuen. In der Schutzgebietsbetreuung wird das Wissen um die hier lebenden Arten durch ein maßnahmenbezogenes Monitoring und die Durchführung von Landschaftspflegemaßnahmen vereint.

Brutvogelkartierung im Rahmen der Schutzgebietsbetreuung Lüneburger Heide | Foto: Philipp Steiger

In der Schutzgebietsbetreuung für das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide führen wir folgende Arbeiten und Dienstleistungen durch:

  • die Erstellung jährlicher Arbeitspläne für die Pflegeplanung in den verschiedenen Lebensräumen des Naturschutzgebietes
  • Management, Durchführung und Abrechnung von Pflegemaßnahmen mit Eigenpersonal und beauftragten Pflegeverbänden/-firmen
  • Erfolgskontrolle der durchgeführten Maßnahmen
  • gebietsbezogene Öffentlichkeitsarbeit
  • fachliche Beratung
  • Schutzgebietsbetreuung durch Präsenz vor Ort (u.a. durch Wahrung der Schutzgebietsverordnung durch die VNP-Naturwacht)
  • umfangreiches Monitoring wertgebender Arten
  • Verfassung fachlicher Beiträge
  • fachliche Steuerung
  • Beratung der Jagd und mehr

Fördersumme pro Jahr bis 2027: 717.000 €

Durch die aktuellen Förderprojekte ist der VNP in der Lage, zum Wohle der Allgemeinheit den gesetzlich geforderten guten Erhaltungszustand zu verbessern und auf qualifiziertem Niveau zu halten.

Leider werden die Betreuung von Ehrenamt und Naturwacht oder Dauermonitoring bestimmter Tier- und Pflanzenarten, nicht über das für die Vor-Ort-Betreuung von Schutzgebieten eingerichtete Förderprogramm VOBS des Landes Niedersachsen abgedeckt. Da es sich hierbei aus unserer Sicht um Kernaufgaben der Schutzgebietsbetreuung handelt, führen wir diese im Rahmen unserer Stiftungsarbeit durch.

Detaillierte Berichte und Hintergrundwissen haben wir in den VNP Schriften veröffentlicht, die Sie kostenlos herunterladen oder gegen Gebühr bei uns bestellen können.

Heideblüte (Calluna vulgaris) im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide | VNP Stiftung

Einblicke in unsere Arbeit

Eine Kernaufgabe ist die Förderung einer artenreichen Heidelandschaft durch gezielte Pflegeplanung auf ca. 6000 ha Heidefläche. Die jährlich stattfindende maschinelle Heidepflege wird flächengenau geplant. Dabei betrachten wir stets die aktuellen Daten zu Tier- und Pflanzenarten und reflektieren den Erfolg aus den vergangenen Maßnahmen – Wo haben wir unsere Ziele gut erreicht und wo gibt es Nachholungs- oder Änderungsbedarf?

Monitoring von Aschehaufen im NSG Lüneburger Heide
Monitoring von Aschehaufen

Immer wieder müssen die Entwicklungsziele für Flächen mit den Vorkommen von Arten abgeglichen werden, um die Biodiversität des Gesamtareales zu erhalten. Bei diesem Abwägungsprozess ist die Verantwortung, die unser Gebiet für den Erhalt extrem bedrohter Arten im nationalen und internationalen Kontext hat, ein wichtiges Entscheidungskriterium.

Die höchsten Dichten an Reptilienvorkommen können in den vergrasten und überalterten Degenerationsstadien der Heiden beobachtet werden. Einer der Kernkonflikte der Heidepflege ist es, Reptilienbestände langfristig zu erhalten, ohne Tiere und Pflanzen der frühen Sukzessionsstadien zu verlieren. Dazu führen wir u.a. ein intensives Reptilienmonitoring mit Unterstützung von ehrenamtlichen Helfern durch. Dafür liegen mit Schwerpunkt in den Heiden knapp 1000 künstliche Verstecke, die mehrmals im Jahr kontrolliert werden. Durch dieses Dauermonitoring können wir nachvollziehen, ob Kreuzotter, Schlingnatter, Zauneidechse und Co. über stabile Populationen verfügen.

Schlingnatter | VNP-Stiftung-Naturschutzpark-Lueneburger-Heide
Schlingnatter

In unserem Gebiet haben wir eine besondere Verantwortung gegenüber Insektenarten. Leider ist das Wissen über das Vorkommen vieler Arten noch unzureichend. So findet u.a. ein Langzeitmonitoring zu Nachtfaltern statt. Das Wissen um die Habitatpräferenzen bedrohter Arten gibt uns wichtige Hinweise, wenn wir entscheiden müssen, wie Flächen künftig entwickelt werden sollen. Ein Beispiel ist hier die Heideschrecke, die im Gebiet wiederangesiedelt wurde. Die Art kommt in Deutschland nur auf Truppenübungsplätzen vor und braucht einen regelmäßigen Brand, um langfristig überleben zu können. In den Wiederansiedlungsflächen führen wir daher bevorzugt Heidebrand durch.

In artenreichen Mähgrünländern kommen große Bestände des Warzenbeißers vor, die durch ein angepasstes Mahdregime gefördert werden.

Wiedehopf upupa epops
Heideschrecke | Foto: VNP Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide
Steinschmätzer | Foto Sven Kleinert
Warzenbeißer | Foto: Lena Götz

Wer häufig im Gebiet unterwegs ist, wird die Steinhaufen in manchen Heideflächen bemerkt haben. Auf den Ackerflächen stören sie bei der Bewirtschaftung, in der Heide sind sie aufgeschichtet ein wertvoller Beitrag zum Artenschutz. Reptilien nutzen sie als Verstecke und zum Sonnen, aber auch viele Flechtenarten und Insekten wie Ameisen und Käfer benötigen diese Strukturen zum Leben. In einige der Steinhaufen sind Nistkästen eingebaut, die gerne vom Wiedehopf angenommen werden. Die Kästen werden ehrenamtlich betreut. Auch Steinschmätzer werden häufig an den Steinhaufen beobachtet.

Wiedehopf upupa epops
Wiedehopf vor Steinhaufen-Nistkasten | Foto: Sven Kleinert
Steinschmätzer | Foto Sven Kleinert
Steinschmätzer | Foto: Sven Kleinert

Zunächst scheint es befremdlich, dass es in einer vermeintlich trockenen Landschaft wie der Heide eine besondere Libellenvielfalt geben sollte. Die Lüneburger Heide ist in der Region die wichtigste Landschaft zu Grundwasserneubildung. Hier liegen die Quellen der Wümme, Seeve, Luhe, Brunau, Este und Böhme.

In den vielen Heidemooren leben spezialisierte Arten, wie die Arktische Smaragdlibelle und die Speer-Azurjungfer, für die wir eine besondere Verantwortung haben. Zudem liegen das Hochmoor des Pietzmoores und die Holmer Teiche als besondere Libellen-Lebensräume im Gebiet. Aufgrund des absinkenden Grundwassers durch die Trinkwasserförderung und Klimawandel müssen die Zielarten beobachtet werden, um gegebenenfalls durch die Anlage von Senken Lebensräume erhalten zu können.

Wiedehopf upupa epops
Arktische Smaragdlibelle | Foto: Lena Götz
Steinschmätzer | Foto Sven Kleinert
Speer-Azurjungfer | Foto: Lena Götz